Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer: Zwischen pädagogischem Potenzial und technischer Lücke
Nach den Daten einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter 501 Lehrkräften der Sekundarstufen I und II setzen 58 Prozent KI für schulische Zwecke ein, 66 Prozent sehen darin überwiegend eine Chance für die Bildung.

Gegenüber 2024 (51 Prozent) ist das ein Plus von 7 Prozentpunkten. Die Adoption läuft, die Infrastruktur hinkt hinterher.
Nutzungsmuster: Wo der Workflow bereits trägt
Die Aufgabenverteilung ist messbar:
- 44 Prozent erklären KI im Unterricht.
- 43 Prozent nutzen sie zur Wissensvermittlung.
- 26 Prozent: Unterrichtsvorbereitung.
- 23 Prozent: Individualisierung von Materialien.
- 20 Prozent: Aufgaben- und Prüfungskontrolle.
- 15 Prozent: Vorbereitung von Klassenarbeiten.
- 13 Prozent: Hausaufgaben mit expliziter KI-Nutzung.
6 Prozent arbeiten täglich mit KI, 24 Prozent mindestens wöchentlich, 28 Prozent seltener. 32 Prozent berichten von einer spürbaren Entlastung im Schulalltag. Das sind belastbare Use-Cases, keine Spielerei.
Lizenzlücke und Schatten-KI
Bei der Governance klafft eine Lücke:
- 46 Prozent der Lehrkräfte haben keine Schullizenz, keinen Schul-Account.
- 18 Prozent haben KI noch nicht genutzt, sind aber offen.
- 19 Prozent können sich die Nutzung grundsätzlich nicht vorstellen.
- 58 Prozent fühlen sich im Umgang mit KI unsicher.
Schatten-KI ist laut Bitkom Realität: 6 Prozent der Lehrkräfte mit Schullizenz nutzen zusätzlich einen privaten Account für schulische Zwecke. TopTechNews fasst die Lage mit „Jede vierte Lehrkraft" zusammen – eine bereitgestellte Lizenz allein löst die Parallelnutzung also nicht auf. Bei 54 Prozent ohne Lizenz ist die unbeaufsichtigte Nutzung wahrscheinlich, exakte Zahlen liefert die Umfrage nicht.
Das Risikobewusstsein bleibt gespalten: 89 Prozent halten KI-Kompetenzen für notwendig, 42 Prozent sehen die Gefahr der „Verdummung". 36 Prozent stimmen beiden Aussagen zu. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht mehr darum, ob in Schulen KI eingesetzt wird, es geht um das Wie."
Machbarkeitsbewertung
Go für den Rollout zentraler KI-Lizenzen an Schulen: Die Nachfrage ist empirisch belegt, die Use-Cases definiert, der Leidensdruck messbar – 58 Prozent Unsicherheit, 32 Prozent Entlastungserlebnis. No-Go für den Status quo: Ohne zentrale Lizenzvergabe und verpflichtende Schulung wächst die Schatten-KI-Fläche. Wer jetzt investiert, sollte drei Dinge im selben Beschaffungspaket kaufen – Account, Didaktik-Schulung, Policy-Set zur Datennutzung. Punkt.