Authory.tech: Wie Prozess-Metriken den KI-Einsatz im Unterricht transparent machen
tech, das im SpinUOC-2026-Gründungsprogramm als Finalistenprojekt ausgewählt wurde.

Schreibprozess statt Endtext: Authory.tech bringt Prozess-Metriken in Moodle und Canvas
Hard numbers vorweg: Laut einer kürzlich vom Economist zitierten Studie haben 15 % der US-High-School-Schüler im Jahr 2025 zugegeben, eine komplette Aufgabe mit KI erledigt zu haben – ein Anstieg von 11 % im Vorjahr. Gleichzeitig sieht über die Hälfte der Schüler KI als Risiko für das eigene kritische Denken. Genau in dieses Spannungsfeld platziert die Universitat Oberta de Catalunya (UOC) jetzt ein Werkzeug namens Authory.tech, das im SpinUOC-2026-Gründungsprogramm als Finalistenprojekt ausgewählt wurde.
Prozess-Telemetrie statt Textdetektion
Authory.tech wurde laut UOC von Nil Gallego, Studierender der Computer Engineering, mitentwickelt und ist als Plugin für gängige Learning Management Systeme wie Moodle und Canvas konzipiert. Statt ausschließlich den finalen Text zu scannen, erfasst das System während des Schreibens mehrere Metriken: Tippgeschwindigkeit, Gesamtdauer der Bearbeitung, eingefügte Copy-Paste-Passagen sowie Vokabular, das für das jeweilige akademische Niveau als unüblich gilt. Diese Muster werden anschließend innerhalb der Lerngruppe kontextualisiert und in Grafiken und Kennzahlen für die Lehrkraft überführt. Die Entwickler beschreiben zudem besonders eindeutige Muster – etwa auffällig kurze Bearbeitungszeiten oder sichtbare Paste-Vorgänge.
Der Anspruch sei ausdrücklich nicht, das pädagogische Urteil zu ersetzen, sondern es mit objektiven Daten zu unterfüttern. Im Mittelpunkt stehe die Sorge, dass Schüler ohne eigene Schreibarbeit Kernkompetenzen wie Argumentation und kritisches Denken nicht mehr ausbilden.
Zwischenfazit: Daten statt Blackbox
Bisherige Detektoren liefern nach Darstellung des Teams opake Prozentwerte und produzieren False Positives, weil sie ausschließlich den fertigen Text analysieren. Authory.tech verschiebt den Messpunkt: weg von „Was wurde abgegeben?" hin zu „Wie wurde gearbeitet?". Genau diese Verschiebung ist aus Sicht der Schul-IT der spannende Hebel – und gleichzeitig der risikoreichere, weil deutlich mehr personenbezogene Daten anfallen.
Machbarkeit für die Schul-IT
- Integration: LMS-Plugin für Moodle und Canvas. Implementierungsaufwand überschaubar, sofern die jeweiligen Standard-APIs genutzt werden. Stand-alone-Deployment möglich.
- Datenschutz: Schreib-Telemetrie ist sensibel. Vor jedem Pilotbetrieb sind DSGVO-Konformität, Auftragsverarbeitungsvertrag, Zweckbindung und ein definiertes Löschkonzept zu prüfen.
- Fehlerrate: Opake Prozentwerte entfallen, das False-Positive-Risiko sinke laut Anbieter. Unabhängige Benchmarks stehen aus.
- Pädagogischer Hebel: Lehrkräfte behalten die Entscheidung; das Tool liefert Indikatoren, kein Urteil.
Go/No-Go für einen Piloten: Bedingtes Go – zuerst in einem definierten Jahrgang mit transparenter Kennzahlen-Liste, dokumentiertem Consent-Prozess und ohne automatisierte Sanktionen. Ohne belastbare DSGVO-Grundlage und ohne begleitende Fortbildung der Lehrkräfte zur Interpretation der Metriken: No-Go.